1959. Die Spur der Hakenkreuze
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Im Mittelpunkt stehen die Erinnerungen jüdischer Zeitzeugen wie Carlos Levi und Michael Rado, die als Jugendliche die Anschläge miterlebten. Ihre Geschichten erzählen von der Angst, dass der Nationalsozialismus zurückkehren könnte, und von der Unsicherheit einer kleinen jüdischen Gemeinschaft, die erst wenige Jahre zuvor begonnen hatte, in Deutschland wieder Fuß zu fassen.
Die Recherche zeichnet ein differenzierteres Bild der Ereignisse. Die Täter waren keine unpolitischen Schmierer. Viele standen rechtsextremen Organisationen nahe, die die öffentliche Aufmerksamkeit gezielt für ihre Zwecke nutzten. In Westdeutschland radikalisierte sich eine neue Generation von Neonazis, in Großbritannien versuchte der berüchtigte Anführer der britischen Faschisten, Oswald Mosley, an frühere Erfolge anzuknüpfen, und auch in anderen Ländern fühlten sich alte und neue Rechtsextreme ermutigt. Gleichzeitig missbrauchte die DDR die Vorfälle propagandistisch gegen den Westen, obwohl sich die Hakenkreuz-Welle auch dort ausbreitete.
Die Ereignisse von 1959/60 markieren einen Wendepunkt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Welle löste erstmals eine breite gesellschaftliche Debatte über Antisemitismus und die nationalsozialistische Vergangenheit aus. Sie führte zu Solidaritätsbekundungen mit den jüdischen Gemeinden, zu Gesetzesverschärfungen und zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Holocaust im Schulunterricht. Zugleich wurde sichtbar, wie sich eine neue rechtsextreme Szene formierte, deren Radikalisierung weit über Schmierereien hinausging.
Trotz dieser weitreichenden Folgen ist die Hakenkreuz-Welle heute nahezu vergessen. Der Film fragt, warum ein Ereignis, das die Bundesrepublik nachhaltig geprägt hat, aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist. Er schlägt den Bogen in die Gegenwart, in der antisemitische Übergriffe und Hakenkreuz-Schmierereien erneut zunehmen. Die Ereignisse von 1959/60 machen deutlich: Antisemitismus war nach 1945 keineswegs verschwunden.
Eine Produktion von Blindcat Documentary im Auftrag von Radio Bremen und WDR für die ARD 2026